Knapp 2/3 der Alpenstraße liegen hinter uns. Wir starten heute am Tegernsee bei erstaunlich gutem Wetter und wollen übermorgen bei strahlendem Sonnenschein in der Gegend um Berchtesgaden ankommen.

Tegernsee Stellplatz und V/E
Wie schon im letzten Jahr, als wir 4 Tage die Womo-Tauglichkeit der Gegend getestet haben, haben wir hinter dem Tegernseer Bahnhof an der Klosterwachtstraße für 10€ übernachtet. Zur Ver- und Entsorgung wählen wir den bekannten Stellplatz in Gmund-Ostin. Frischwasser kostet dort 50 Cent/50 Liter, Entsorgung ist kostenlos.
Stellplatz Tegernsee: Klosterwachtstraße 5, 10€ von 19 bis 8 Uhr, tagsüber 1. Stunde kostenlos, danach 2€/Stunde oder 8€/Tag
Camperstellplatz Gmund-Ostin: Oedberg


Vom Tegernsee zum Tatzlwurm
Vorbei am idyllischen Schliersee und Bayrischzell erreichen wir nach einer guten Stunde den Hotelgasthof Tatzlwurm in der Nähe des gleichnamigen Wasserfalls. Der Weg zu diesem ist nach dem Dauerrregen gestern viel zu matschig, aber der kleine Hunger ruft und wir gönnen uns einen Brotzeitteller. Als wir hören, dass am Nachbartisch Zwetschgendatschi bestellt wird, ist natürlich klar, was es zum Nachtisch gibt. Gut gestärkt geht es weiter auf der Tatzlwurmstraße nach Oberaudorf. Die Strecke vermittelt zum 1. Mal Bergstraßenfeeling – bisher war die deutsche Alpenstraße sehr gut ausgebaut mit immer getrennten Fahrspuren.


Durchs Inntal nach Ruhpolding
Am Ende der Tatzlwurmstraße durchquert die deutsche Alpenstraße das breite Inntal. Hier ist Konzentration gefragt, denn man durchfährt einige Orte und muss mehrmals rechts oder links abbiegen. Ab Marquartstein geht es wieder ins Gebirge, aber die Bundesstraße nach Reit im Winkl ist heute gesperrt. Die offizielle Umleitung führt uns über Österreich – nur gut, dass wir alle Weinkäufe von unserer Tour durchs Piemont bereits zuhause ausgeladen haben. Die Österreicher sind ja sehr streng was das zulässige Gesamtgewicht eines Fahrzeugs angeht und verstehen da keinen Spaß. Wir liegen aber definitiv unter 3,5 t und erreichen auch schon nach nur 15 Minuten wieder die deutsche Grenze bei Reit im Winkl. Den Ort durchfahren wir schnell, da wir ihn von einem anderen Besuch kennen und steuern direkt Ruhpolding an. Dort gibt es nämlich einen Stellplatz, der nicht gleich 25 € kostet. Direkt am Ortseingang ist Platz für 12 Wohnmobile und es ist auch noch eine Lücke für uns frei. Die Gebühr wirft man zusammen mit dem ausgefüllten Meldeschein bar in einen Briefkasten. Weil es sehr frisch ist, fällt unsere Runde durch den Ort kurz aus. Es gibt ein paar hübsch verzierte Häuser, aber viel mehr ist auch nicht zu sehen.
Stellplatz Ruhpolding: Hauptstraße. 75, max. 48 Std., 10 €/Nacht


Ramsau und Berchtesgaden
Am nächsten Tag nehmen wir die letzten Kilometer unter die Räder. Erster Halt ist in Ramsau am Malerwinkel, einem viel besuchten Punkt an einem Fluss mit Aussicht auf die Pfarrkirche und die Reiteralpe. Leider ist der Himmel stark bewölkt und der Blick ist nicht so spektakulär. Morgen werden wir nochmal wiederkommen.
Es ist noch nicht allzu spät und so entscheiden wir uns für einen Bummel durchs 8 km entfernte Berchtesgaden. Wir haben Glück und erwischen einen Parkplatz an der Bahnhofstraße, von dem aus man in 5 Minuten mitten in der Altstadt steht. Sehr hübsch und gemütlich hier – Cafés, Gasthäuser, hübsche Geschäfte. Schon bald stehen wir am Königlichen Schloss und schauen schnell in die Schlosskirche. Barock und Gold überall, dazu einige Logenplätze an den Wänden für den Adel. Nach der obligatorischen Kerze geht es zurück zu unserem heutigen Schlafplatz in Ramsau, direkt an der Hauptstraße, aber offiziell erlaubt und mit 13 € durchaus moderat. In Berchtesgaden haben wir in das ein oder andere Gasthaus geschaut, aber vor dem morgigen Feiertag sind alle Tische belegt und wir hatten keine Chance auf ein leckeres Abendesssen.
Stellplatz Ramsau: Berchtesgadener Str. 11, 13€/24 Std.


Hintersee bei Ramsau
Das Wetter ist heute ein Traum und wir freuen uns auf einen tollen Tag. Zuerst geht es nochmals zum Malerwinkel bei der Pfarrkirche, danach zum Hintersee. So früh am Morgen liegen noch Nebelschwaden über dem Wasser – ein toller Anblick. Auf dem Weg nach Berchtesgaden werden wir gestoppt. Ein Almabtrieb mitten auf der großen Bundesstraße bremst alle aus und es entsteht sofort ein langer Stau. Für uns ein kleines bisschen „ärgerlich“, sind wir doch heute extra früh aufgestanden, um möglichst früh auf der Rossfeld Panoramastraße zu sein. 1 Stunde kostet uns das, dafür erleben wir hautnah, wie eine „verlorene“ Kuh eingesammelt und wieder zur Herde gebracht wird – für uns ein echtes bayerisches Erlebnis, das wir im Nachhinein nicht missen möchten. Die anschließende Fahrt Richtung Oberau ist bei dem Wetter wunderschön und alle Kameras laufen auf Hochtouren.


Rossfeld Panoramastraße
Diese mautpflichtige Straße war ursprünglich mal als Teil der Deutschen Alpenstraße gedacht, gehört aber nicht zum heutigen offiziellen Streckenverlauf. Sie liegt allerdings „fast“ am Weg und sollte daher unbedingt mitgenommen werden, zumal man hier ganz einfach auf einer sehr gut ausgebauten Strecke auf gut 1.500 Meter Höhe hinauf kommt. Das ist nirgendwo sonst auf der Alpenstraße der Fall.
Kurz hinter Oberau liegt die Mautstation Nord für die Rossfeldstraße. Unser Womo kostet wie ein Pkw 9,50 €. Schnell gewinnt die Strecke an Höhe und nach nur 10 Minuten haben wir den Scheitelpunkt erreicht, denn die Strecke ist insgesamt nur 15,4 km lang. Hier gibt es viele Parkplätze am Straßenrand und auch wir stellen Schorschi ab. Ein Panoramarundeweg (700 m lang und einfach zu begehen) bietet tolle Ausblicke. Wir befinden uns hier am südöstlichsten Zipfel Deutschlands und genau an der Grenze zu Österreich. Richtung Osten schaut man auf das Dachsteingebirge, Richtung Norden nach Salzburg. Im Südwesten kann man das unter Hitler erbaute Kehlsteinhaus sehen, auch als Eagles Nest bezeichnet. Heute ist es Gasthaus und kann u.a. über einen 124 Meter hohen Aufzug erreicht werden, den Hitler bauen ließ. Die Straße dort hinauf darf nur von autorisierten Bussen befahren werden, die für die extrem steile Strecke mit bis zu 24 % Steigung speziell ausgerüstet sind.
Die Abfahrt zur Mautstation Süd liegt trotz Mittagszeit im Schatten und bietet nicht mehr so viele Ausblicke wie bei der Auffahrt ab Mautstation Nord.
Infos zur Rossfeld Panoramastraße: www.rossfeldpanoramastrasse.de


Königssee
Natürlich müssen wir noch zum offiziellen Endpunkt der deutschen Alpenstraße in Schönau am Königssee fahren. Parken kann man mit Womo nur auf dem P2 – alle anderen Großparkplätze sind reserviert für Pkw’s. Allerdings stehen auf dem P2 auch jede Menge Autos. Den Grund erfahren wir, als wir zum See laufen. Großes Herbstfest mit Bierzelt und Kirmes, aufgebaut auf einem der Parkplätze, so dass heute am Feiertag bei dem schönen Wetter der Parkraum wirklich sehr knapp wird. Da haben wir Glück, dass wir die letzte Lücke auf dem P2 erwischt haben. 25 € kostet hier die Übernachtung – einzige Alternative ist ein 8-Stunden-Ticket für 10 €, das wir dann wohl wählen müssen.
Stellplatz Königssee: Königsseer Fußweg 81, 25 €/24 Std, 10€/8 Std.
Am Königssee, der nur ein paar Minuten vom P2 entfernt ist, tobt heute der Bär!!! Die Schiffstouren zur Wallfahrtskirche St. Bartholomä sind ausverkauft. Hunde müssen Maulkorb an Bord tragen, so dass das für uns sowieso nicht in Frage käme. Stattdessen bummeln wir mit der Touristenmasse zum Malerwinkel, einem Aussichtspunkt, von dem man angeblich die Kirche sehen kann. Dort muss ich Schlange stehen, um für euch ein paar Bilder zu machen – einfach unglaublich! Die Kirche liegt im Dunst und ist nur mit Tele zu erkennen, aber wir waren wenigstens da – abgehakt. Noch schnell eine Aufnahme vor dem offiziellen Ende-Schild der deutschen Alpenstraße und dann nichts wie weg, zurück zum bekannten Schlafplatz in Ramsau.


Obersalzberg – Dokumentationszentrum Nationalsozialismus
Wenn man in der Berchtesgadener Region ist, kommt man an dieser dunklen Zeit der deutschen Geschichte kaum herum. Hitler hatte hier ein Führersperrgebiet einrichten lassen, besaß selbst ein Landhaus und traf sich am Obersalzberg mit seinem engeren Dunstkreis. In diesem recht neuen Doku-Zentrum ist die Zeit eindrücklich dargestellt. Der Eintritt ist absolut moderat (3€, Stand 2025) und wir erfahren eine Menge. Alles ist in Textform und Fotomaterial dargestellt und man muss viel lesen, wenn man kein Freund von Audioguides ist, die es am Eingang gibt. Nach 90 Minuten sind wir ziemlich platt und erlösen Sunny vom Alleinsein im Camper. Die Parkgebühren am Doku-Zentrum sind übrigens sehr lobenswert. Wohnmobile zahlen genauso viel wie Pkw’s (5€ für ein Tagesticket – Übernachten verboten). Eine ganz neue Erfahrung entlang der Deutschen Alpenstraße für uns. Neben dem Parkplatz befindet sich auch die Bushaltestelle für die Abfahrt zum Kehlsteinhaus. Tickets hierfür kosten 31,90 € und beinhalten die Busfahrt, den Aufzug zum Kehlsteinhaus und den Eintritt ins Doku-Zentrum.
Infos zum Doku-Zentrum: www.obersalzberg.de


Das war’s für uns – nach 6 Tagen beginnt unsere Heimreise. Auf der Autobahn Richtung München erwischt uns noch ein kräftiges Unwetter mit Starkregen und wir sind mal wieder froh, dass während unserer knappen Woche nur ein kompletter Regentag dabei war.
