Die letzte Tour des Jahres führt uns auf eine weitere Themenstraße. Uns zieht es schon wieder in die Alpen – diesmal bleiben wir in Deutschland und landen auf der ältesten Ferienstraße des Landes, der deutschen Alpenstraße, die wir in 6 Tagen von West nach Ost befahren möchten.
Website zur Deutschen Alpenstraße: www.deutsche-alpenstrasse.de

Start am Bodensee
Am späten Nachmittag sind wir noch nach Lindau am Bodensee gefahren, dem offiziellen Startpunkt der Alpenstraße. Natürlich möchten wir kurz über die Insel mit der Altstadt bummeln, aber es ist gar nicht so einfach, einen Parkplatz für Schorschi zu finden. Überall Womo-Verbotsschilder, auch wenn jetzt am Abend eigentlich genug Platz wäre. Nach 20 Minuten haben wir „die Faxen dicke“ und fahren einfach auf den direkt an der Inselbrücke liegenden Großparkplatz, auf dem auch schon 4 andere Wohnmobile stehen. Wir zahlen für 2 Stunden und hoffen, dass heute keine Kontrollen mehr erfolgen, aber wir hätten keine Lust, nur für einen winzigen Spaziergang den 3 km entfernten Stellplatz anzusteuern und für die ganze Nacht zu zahlen. Die Sonne ist schon untergegangen, als wir am Hafen ankommen. Die Abendstimmung ist sehr schön – die Stadt wie ausgestorben, obwohl es Samstag ist und man zumindest Restaurantbesucher erwarten würde. Nach 1 Stunde sind wir schon wieder zurück beim Camper und fahren zur Übernachtung in ein Lindauer Gewerbegebiet.


Oberjochstraße
Der Himmel ist heute trüb und so geht es ohne Halt bis zum Großen Alpsee. Hier gibt es einen Aussichtspunkt, aber ohne Sonne ist alles nur halb so schön. Also heißt es sofort weiter auf die Oberjochstraße, angeblich die kurvigste Straße Deutschlands. Gleich zu Beginn warnt ein Schild vor der 6 km langen „gefährlichen“ Strecke, aber damit sind wohl nur die Mottoradfahrer gemeint, die hier manchmal in hohem Tempo durch die Kurven rasen. Für Pkw’s und Camper ist das alles gar kein Problem – auch die Steigung ist harmlos.
Am Aussichtspunkt Kanzel kann man wegen der hohen Bäume die Kurven nur erahnen. Zum Glück haben wir die Drohne, die uns von oben die gerade zurückgelegte Strecke zeigt. Nebenan gibt es eine steile Felswand, in der wir eine Weile Kletterer bei ihrem Sport beobachten. Per Zufall entdecke ich auf Google Maps einen besonderen Punkt, der nicht weit von der Hauptroute entfernt liegt. Wir biegen in Oberjoch rechts ab auf die B308 Richtung Reutte/Tirol und nach knapp 2 km kommt auf der rechten Seite ein Parkplatz. Hier befindet sich ein großer Stein mit verschiedenen Inschriften. Unter anderem soll das hier der höchste Punkt im deutschen Bundesstraßennetz sein – stimmt aber nicht, denn der Feldbergpass auf der B317 im Schwarzwald ist mit 1.231 Metern höher. Na ja, der Stein ist wohl schon älter :-).
Nun ist es nicht mehr weit bis zu unserem 1. Übernachtungsplatz im Allgäu beim Gasthof Wiesele in Pfronten-Weißbach. 16 € kostet die Übernachtung, Frischwasser und Strom extra, Grau- und Schwarzwasser inclusive. Das Restaurant hat heute Abend genug Platz und so gönnen wir uns ein erstes bayerisches Essen – Almschnitzel und Zwiebelrostbraten, letzter leider mit Zwiebeln in Sauce und nicht schön knusprig. Schlafen können wir hier auf dem Platz aber perfekt.
Stellplatz Pfronten-Weißbach: www.wohnmobilstellplatz-pfronten.de (16 €/Nacht)



Königsschlösser
Wenn man schon bei Füssen vorbei kommt, gehört ein Stop an den Königsschlössern zum MUSS. Mit Sunny können wir keine Führung ins Innere machen, aber von außen wollen wir mal wieder einen Blick drauf werfen. Die Großparkplätze sind wie immer voll belegt und so steuern wir die Schlossbrauerei in Schwangau an. Auch hier prangt eine Höhenbegrenzung von 2,20, aber nicht durch einen Balken gesichert und daher stellen wir uns zu den anderen 2 Womos, die hier schon stehen. Unverständlich, dass nicht wenigstens für ein paar Camper Plätze ausgewiesen sind, denn in der Brauerei befindet sich auch die Touristinfo und die wollen vielleicht auch mal Leute mit Womo aufsuchen. Adriano organisiert Getränke, die wir im Biergarten draußen genießen, denn von hier haben wir direkten Blick auf das Schloss Neuschwanstein.
Die Wolken direkt über dem Schloss halten sich hartnäckig und ich muss mich mit ein paar Aufnahmen ohne schönes Licht begnügen. Wir wollen noch etwas spazieren gehen und fahren zum kostenlosen Wanderparkplatz am Schwansee. Läuft man zur Westseite des Sees, kann man beide Schlösser – Neuschwanstein und Hohenschwangau sehen. Das Erste spiegelt sich sogar in der glatten Wasseroberfläche und wir absolvieren eine komplette Seeumrundung (3,5 km in ca. 1 Stunde).
Wanderparkplatz Schwansee: Alterschrofen, Parkstraße (kostenlos) Koordinaten 47.56228221945778, 10.726075976864713


Oberammergau
Es ist noch nicht zu spät und so passt noch ein Besuch des Ortes ins Programm. Hier waren wir noch nie und kennen daher nicht die Lüftlmalerei, für die Oberammergau bekannt ist. Ein paar Häuser sind mit den bunten Bildern schön verziert, ich hätte aber mehr erwartet. Der Gasthof Post sieht einladend aus und schon landen wir wieder in einer Gaststube und bestellen – diesmal beide Wiener Schnitzel, das hervorragend schmeckt. Plan ist, in Garmisch-Patenkirchen an der Skischanze auf dem offiziellen Stellplatz für 5 € zu übernachten. Als wir dort recht spät ankommen, ist alles hoffnungslos überfüllt. Wir müssen also weitersuchen und landen am Walchensee. Direkt an der deutschen Alpenstraße gibt es dort zur Gemeinde Jachenau gehörend einen Nachtparkplatz – 15 € bis zum Folgetag 11 Uhr. Es beginnt zu regnen und die Aussichten für den nächsten Tag sind miserabel.
Nachtparkplatz Walchensee: Einsiedl Mautstraße, 82432 Jachenau (15 €/Nacht) Koordinaten 47.569301965813445, 11.30360376137676


Kloster Benediktbeuern
Auch direkt auf unserer Strecke liegt das ehemalige Benediktinerkloster, das heute eine Niederlassung der Salesianer Don Boscos ist, eine römisch-katholische Ordensgemeinschaft, die vom italienischen Priester Giovanni Bosco gegründet wurde und sich hauptsächlich der Jugendarbeit widmet. Als ich im Netzt schaue, wann Führungen stattfinden, erfahre ich folgendes.
Das schwere Unwetter im August 2023
Am 26. August 2023 verwüstete ein schweres Hagelunwetter innerhalb von 10 Minuten einige Gebiete im Süden Bayerns. Auch das Kloster Benediktbeuern trug schwere Schäden davon. Kein Gebäude blieb unversehrt – die Hälfte aller Dächer und über 5.000 Fenster wurden zerstört – das tagelang eindringende Wasser machte fast jeden Raum unbewohnbar. Es wird noch Jahre dauern, bis alles wieder aufgebaut und saniert ist. Eine riesige Hilfe waren die jungen Leute, die hier im Kloster im Aktionszentrum des Don Bosco-Ordens ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren.
Offizielles Video zum Hagelunwetter: youtu.be/hWpin54VpSA?si=idjKDTdcqFP-MtBW
Führungen finden statt, außerhalb der Monate Juli/August aber nur an bestimmten Tagen. Zur Zeit ist wegen der Gebäudeschäden nur ein Bruchteil der sonst besuchten Räume zugänglich. Tickets kann man spontan im Klosterladen für 4,50 € kaufen, allerdings freut man sich über eine vorherige telefonische Anmeldung. Leider ist auch der wunderschöne innen liegende Kreuzgang nur zu einem kleinen Teil fürs Publikum begehbar. Wir beschließen trotzdem, an der Führung teilzunehmen, alleine schon, um den Aufbau zu unterstützen. Der sympathische ehrenamtliche Referent zeigt uns 2 Räume und erzählt uns in einer guten Stunde viel über die Geschichte des Gebäudes. Den Innenraum der Kirche, die wegen Einsturzgefahr immer noch gesperrt ist, sehen wir nur auf dem Monitor im Hintergrund, auf dem eine Präsentation läuft.
Als wir das Gebäude verlassen, schüttet es und wir rennen zum Schorschi zurück. Es wartet ein Zwetschgendatschi mit Sahne auf uns, bevor wir unser Tagesziel ansteuern, den Tegernsee, ebenfalls Station der deutschen Alpenstraße. Zum krönenden Abschluss des Tages gönnen wir uns in einem unserer Lieblingsgasthäuser, dem Tegernseer Bräustüberl, ein Grillfleisch und ein Grillhendl – so lecker!!!
Schlafplatz Tegernsee: Klosterwachtstraße 5, Tegernsee (10€ von 19 bis 8 Uhr, tagsüber 1. Stunde kostenlos, danach 2€/Stunde oder 8€/Tag)


Fazit 1. Teil
3 Tage sind wir nun auf der deutschen Alpenstraße unterwegs und haben nach 300 km fast zwei Drittel der Strecke geschafft. Das Wetter war bisher eher durchwachsen und die Bergsicht nahezu gleich Null, aber Besserung ist in Sicht. Ob sich unser Wunsch erfüllt und wir die geplante Panoramastraße wirklich bei Kaiserwetter fahren können, das lest ihr im nächsten Blog.
