Roadtrip Norwegen 2026 Teil 7 | Vom Golsfjellet zum Oslofjord

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Zweieinhalb Wochen waren wir entlang der Südwestküste und der E39, dem Küstenhighway, unterwegs. Nun wollten wir eigentlich nach Schweden rüber fahren, weil die Wetterprognosen für MIttelnorwegen so schlecht aussahen . Aber wir konnten uns einfach nicht von unserem Lieblings-Reiseland trennen und so haben wir spontan beschlossen, wieder ganz in den Süden des Landes zu fahren. Ob es eine so gute Idee ist, Ende April quer durch die Mitte Südnorwegens zu fahren? 

Lærdalstunnel

Nach unserer Nacht auf einem Rastplatz am Sjurhaugfossen werden wir mit Schneefall geweckt – das brauchen wir jetzt gar nicht. Gerade als wir das Schlechtwetterprogramm starten , reißt der Himmel auf und die Sonne scheint. Als o geht es nun für uns „in die Röhre“.

Was macht den Lærdalstunnel zu etwas Besonderem? Zum einen ist er mit 24,5 km der längste Straßentunnel der Welt, zum anderen  gehört er zur wichtigen Hauptroute E16, die von Oslo nach Bergen führt. Damit es nicht zu eintönig wird, führt die Strecke in leichten Kurven durch den Berg. Zusätzlich gibt es 3 Haltebuchten, so ca. alle 6 km, die speziell beleuchtet sind und die Möglichkeit bieten zu wenden. Das werden wir in der Tunnelmitte nutzen, denn die Route würde uns in den Westen des Landes führen, wo wir ja gar nicht hinwollen. Hätte die Touristikroute übers Aurlandsfjellet, die praktisch direkt über dem Tunnel liegt, nicht noch Wintersperre, wäre das eine schöne Rundtour für heute gewesen. Dort oben waren wir nämlich schon vor 4 Jahren kurz nach der Öffnung im Mai – das war damals ein tolles Erlebnis, durch die Schneewände zu fahren. Wenn ihr in der Gegend seid und Natur liebt, nehmt also eher den alten Weg über den Berg. 

Wir erreichen jetzt gleich die 2. Haltebucht, in der Reisende aus einem Bus tatsächlich ausgestiegen sind – vermutlich um sich die Lichtinstallationen anzusehen. Für uns heißt es umdrehen und ab zum 2. Ziel des Tages – zur  Stabkirche Borgund. Nach 25 km Tunnel (halber Tunnel hin und zurück) müssen wir sagen, dass es sich nicht unbedingt lohnt, es sei denn, man möchte möglichst schnell nach Bergen oder in umgekehrter Richtung nach Oslo.

beleuchtete Halte- und Wendebucht

Stabkirche Borgund

Die Stabkirche Borgund, erbaut im 12. Jahrhundert, ist eine der wenigen, die noch weitestgehend im Originalzustand erhalten ist. Ein Schutzanstrich mit Teer schützt das Holz vor Witterungseinflüssen und über die Jahrhunderte wurde es daher immer dunkler. Direkt nebenan liegt die 700 Jahre jüngere neue Kirche, die auch sehr hübsch anzuschauen ist. Das Areal und die Kirche sind ungefähr von Mitte April bis Mitte Oktober geöffnet, der Eintritt kostet 150 NOK. Mit uns ist gerade ein Reisebus angekommen  und Dutzende Besucher strömen aufs Gelände. Wir entscheiden uns gegen eine Besichtigung, denn es ist schon sehr spät und wir haben heute noch keine Kilometer Richtung Süden gemacht. Adriano schaut sich noch schnell den Vindhellavegen an, der direkt hinter der Stabkirche liegt. Dieser ist Teil der historischen Königsstraße, einer alten Handelsroute zwischen Oslo und Bergen, die heutzutage nur noch von Wanderern genutzt wird. Wenn man genug Zeit hat, kann man über diesen Weg zum Sjurhaugfossen laufen, unserem Schlafplatz der letzten Nacht. 

Stabkirche Borgund
Serpentinen Vindhellavegen

Golsfjellet

Wir sind von unserem Tagesziel, dem Süden Norwegens 250 km näher zu kommen , noch meilenweit entfernt, wollen es aber wenigstens noch bis ins 90 km entfernte Gol schaffen. Natürlich leitet uns das Navi über die kürzeste Strecke durchs Golsfjellet – dauert angeblich nur anderthalb Stunden. Wenn wir gewusst hätten, dass wir durch ein bekanntes norwegisches Skigebiet fahren werden und wir mal wieder im Schnee landen, hätten wir vielleicht die E16 Richtung Süden gewählt. Je höher wir kommen, desto vereister ist die Fahrbahn. Dazu kommt der extrem starke Wind, der von der Seite Schnee auf die Strecke weht! Es ist schön anzusehen, aber ab und zu wird mir mulmig, weil ich den Eindruck habe, dass wir hier unter Umständen auch Probleme bekommen könnten. Letztendlich brauchen wir viel länger als die geplanten anderthalb Stunden. Mannomann – was für ein Nervenkitzel am Ende des Tages. Wir sind froh, dass wir trotz Eis auf der Fahrbahn gut durchs Golsfjellet gekommen sind und werden uns nun noch schnell einen Schlafplatz suchen. 

Schneeverwehungen und Eis auf der Fahrbahn
herrliche Winterlandschaft

Holmestrand und seine Lefse

Unser 1. Stopp am Oslofjord ist die Stadt Homestrand. Die Stadt selbst hat keine Sehenswürdigkeiten zu bieten, aber wir können hier am Hafen auf dem riesigen kommunalen Parkplatz übernachten (kostenpflichtig nur zwischen 8 und 18 Uhr, also bei uns fürs Frühstück). Berühmt wurde ein Sohn der Stadt, der bei einem Wettbewerb ein 282 kg schweres Gewicht nur mit dem Mittelfinger hochgehoben hat. In Hafennähe gibt es eine schwimmende Sauna und selbst an diesem sonnigen aber kalten Tag hüpfen Saungänger in den Oslofjord zum Abkühlen.

Wir möchten heute in jedem Fall ins Einkaufszentrum der Stadt fahren, denn dort ist der Verkaufsladen eines örtlichen Bäckers, der bekannt ist für seine sehr guten Lefse. Dies ist eine Art norwegischer Wrap, der meist süß gefüllt gegessen wird, aber auch mit Lachs erhältlich ist. Die Preise schocken uns etwas, denn eine kleine 6er-Packung kostet 150 NOK. Ausprobieren müssen wir das aber und so wandern eine süße Packung und eine deftige für 300 NOK (ca. 27 €) in unseren Camper. Am Abend stellt sich heraus, dass die Verkäuferin uns falsch verstanden hat (oder wir uns blöd ausgedrückt) und beide Varianten süß sind. Na ja, 6 Stück schaffen wir, aber die Teile sind sehr mächtig wegen der fettigen Rømme-Creme und extrem süß. Auch am nächsten Tag können wir uns nicht mehr überwinden, die Reste zu essen und so landen 13 € im Mülleimer 🥴.

282 kg Stein
schwimmende Sauna am Oslofjord
mit süßer Rømme gefüllte Lefse

Åsgårdstrand

Eine weitere Nacht verbringen wir an der Marina von Åsgårdstrand. Hier ist es herrlich – kaum etwas los und eine wunderschöne Aussicht auf das Treiben im Hafen. Neben Schorschi gibt es eine große Wiese, die im Sommer bei wärmeren Temperaturen sicher gut besucht ist, weil man direkt ins Wasser springen kann. Schon wieder läuft ein professionelles Filmteam an uns vorbei – so was hatten wir doch schon auf der Vogelinsel Runde! Mittags raffen wir uns endlich auf, noch 2 Punkte am Oslofjord anzusteuern.

Verdens Ende

Der Punkt, der den Übergang vom Oslofjord ins Skagerrak markiert, heißt Verdens Ende (‚Das Ende der Welt‘) und liegt an der Südspitze der Insel Tjøme. Man kann auf glatt geschliffenen Felsen herumklettern und in der Ferne den Færder Leuchtturm sehen, der den Schiffen die Einfahrt in den Fjord weist. Ein nobles Restaurant gibt es hier auch, dessen Markenzeichen ein Vippefyr, zu Deutsch Wippfeuer, ist. So etwas war in der Vergangenheit, bevor Leuchttürme „erfunden“ wurden, Wegweiser für die Schifffahrt. An einer langen Wippstange hängt an einem Ende ein Drahtkorb, in dem früher mit Kohle ein Feuer entzündet wurde. Dieses Licht war bis zu 20 Kilometer weit sichtbar.

Stavern

Noch weiter südlich liegt der Leuchtturm Stavernsodden, dem wir auch noch einen Besuch abstatten. Auch hier sind lange Wanderungen an der Küste möglich, aber der Wind ist nach wie vor unangenehm kalt. Adriano wagt es trotzdem, die Drohne hinauf zu schicken und kann dabei im Rückwärtsflug eine tolle Aufnahme eines „Abfangjägers“ (Möwe, die die Drohne argwöhnisch verfolgt) machen. So ein Glück hat man selten.

Felslandschaft bei Stavern
Abfangjäger in der Luft

BP-Tankstelle

Nein, nicht das, was ihr denkt. Adriano hat keinen Schnapperpreis für Diesel entdeckt. Dies ist eine historische Tankstelle auf der Insel Nøttarøy, die von Ehrenamtlichen gepflegt wird und die in der Werkstatt Oldtimer reparieren und ausstellen. Ab und zu gibt es einen Tag der offenen Tür – schade, heute können wir nur von außen ein paar Blicke erhaschen. 

V/E in Larvik

Eine vorbildliche V/E-Station finden wir in Larvik. Das Frischwasser ist wie genug entfernt von der Entsorgungsstation, der Wasserdruck ist fast schon zu stark, der Bodenabfluss fürs Grauwasser ist riesig und bietet genug Platz zum Ablassen. Und das alles kostenlos!!!

Nach diesen 3 Tagen am Oslofjord zieht es uns schon wieder ins Hinterland, denn die Küstenorte ähneln sich alle sehr und bieten relativ wenig Abwechslung fürs Auge. Das gute Wetter soll uns aber erhalten bleiben und so geht es ab Richtung Westen.