Roadtrip Norwegen 2026 Teil 9 | Entlang der Ostküste zum Südkap Lindesnes

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Nachdem wir 4 Tage im Hinterland der Provinz Telemark unterwegs waren, sind wir auf dem Weg zurück an die Ostküste, denn nur hier soll es die nächsten Tage trocken bleiben. Zurück am Skagerrak sieht unser Plan so aus: Noch 3 Tage an der Küste entlang und in Kristiansand dann ab auf die Fähre nach Dänemark. Aber es kommt mal wieder alles anders als gedacht.

Städte an der Ostküste

Kragerø

Als erstes landen wir am späten Nachmittag in der Küstenstadt Kragerø. Für einen kleinen Bummel reicht es gerade noch, aber in 30 Minuten hat man auch schon as Wichtigste im Bereich des Hafens gesehen. Es gibt ein paar nette Restaurants mit Außengastronomie, in denen auch schon Gäste trotz der einstelligen Temperaturen sitzen. Kommt für uns aber nicht in Frage, denn heute ist Live-Musik angekündigt und das ist für Sunny zu laut. Fazit zur Stadt: Kann man gesehen haben, muss man aber nicht.

Tvedestrand

Hier landen wir nur, weil wir mal wieder nicht auf einem Nortrip-Bauernhof zum Schlafen unterkommen konnten (keiner da, bei dem wir uns hätten anmelden können). Der offizielle Stellplatz in Tvedestrand ist an diesem Abend unsere letzte Rettung, nachdem der favorisierte Parkplatz am kommunalen Hafen eine große Baustelle ist. Der Ortskern gefällt uns bei der Durchfahrt aber so gut, dass wir am nächsten Morgen nochmal zu Fuß durch die Stadt bummeln. Alles sehr gemütlich und schön in einer ruhigen Bucht gelegen. Eine absolute Empfehlung, wenn man Lust auf eine typische norwegische Kleinstadt an der Ostküste hat. Mit einem großen Womo sollte man aber nicht durch den doch sehr engen alten Ortskern fahren. Das geht maximal mit einem Kastenwagen und selbst dann könnte es bei Gegenverkehr abenteuerlich werden.

Risør

Risør wird auch die weiße Stadt am Skagerrak genannt, weil alle Holzhäuser weiß angestrichen sind. Auch für Neubauten gilt diese Regel und so strahlt die Stadt mit der Sonne um die Wette. Ebenfalls herausragend soll die Qualität und Anzahl der Restaurants direkt an der Küstenlinie sein. Das können wir bestätigen, zumindest was die Optik angeht. Gepflegte Holzdecks mit schön gedeckten Tischen laden zur Einkehr ein. Heute ist es aber noch zu windig und kühl und das Leben spielt sich in den Restaurants ab. Wir haben Glück und sehen Teilnehmer einer Feier in ihren herrlichen norwegischen Trachten – immer wieder schön anzusehen. Die Preise in den Gasthäusern sind allerdings auch ziemlich hoch, wenn man unsere deutsche. Maßstäbe ansetzt. In Deutschland würde man das fast schon als Nobelrestaurant bezeichnen und wir würden uns das selbst an einem lauen Sommerabend vermutlich nicht gönnen.

Arendal

In dieser doch recht großen Stadt halten wir nur kurz an, um uns den gläsernen Aufzug anzuschauen. Der führt vom Torget, einem großen Platz in der Stadt, hinauf auf den Fløyheia-Hügel und ermöglicht so eine tolle Aussicht auf die Küstenstadt und die vorgelagerten Schären. 60 Meter Strecke legt der Fahrstuhl zurück, davon 40 Meter im Fels, d.h. die Aussicht während der Fahrt ist nur kurz. Oben neben dem Ausstieg gibt es aber eine Art Tribüne mit Sitzmöglichkeiten. Die ist allerdings nicht unbedingt was für Menschen mit Höhenangst so wie Adriano.

Wir sind für die Fahrt mit dem Aufzug auf den Hügel gefahren, denn dort oben gibt es direkt nebenan einen Parkplatz. In der Hochsaison wird es aber vermutlich schwierig sein, hier einen Platz zu finden, schon gar nicht mit einem Womo. Parkt man unten in der Stadt, liegt der Eingang zum Aufzug etwas versteckt in einem Tunnel. Einfach Richtung Berg laufen, dann findet man das problemlos.

Lillesand und sein Gästehafen mit Waschmaschinen und Trocknern

Weil wir mal wieder eine Waschmaschine brauchen, landen wir in Lillesand. Hier gibt es im Gästehafen ein Servicegebäude, in dem man für 30 NOK Wama und Trockner nutzen kann, auch als Wohnmobilist. Ich nutze das bei dem unschlagbaren Preis gleich für je 3 Durchgänge Waschen und Trocknen, zahle also 180 NOK, was ungefähr 16 Euro entspricht. Zur Nutzung dieser Servicegebäude in den Gästehäfen installiert man am besten die App GoMarina, mit der man einfach einen Zugangs-Code für die Einrichtungen kaufen kann.

Während die Maschinen laufen, drehen wir eine Runde durch den wirklich sehr hübschen und gepflegten Ort. Auch hier gibt es 2 Restaurants direkt am Wasser, die gut besucht sind, aber mit Hund im Innenbereich geht das meist nicht. Neben unserem Parkplatz befindet sich aber eine Filiale von Pizzabakeren, die im Netz so gute Bewertungen hat. Die Pizzen sind schnell bestellt, schmecken uns aber nur so lala. Vermutlich sind wir was Pizza angeht sehr wählerisch – liegt wohl an den italienischen Wurzeln von Adriano, der sehr hohe Maßstäbe ansetzt und mich mittlerweile damit infiziert hat. Außerdem backt unser Sohn hervorragende Pizza zuhause und damit kann es sowieso keine Pizzeria mehr aufnehmen 😂.

Servicegebäude am Gästehafen

Nøgne Brauerei

Ein kleiner Abstecher führt uns zur Nøgne Bryggeri, eine der größten Privatbrauereien Norwegens. Gefunden haben wir das bei unserer Suche nach Schlafplätzen auf Nortrip, denn hier kann man auf dem Firmengelände einfach mit dem Womo übernachten.

Eigentlich wollen wir nur kurz ein paar Flaschen zum Probieren mitnehmen, aber wir werden von Tom, einem Mitarbeiter, vor der Tür empfangen und sofort zu einer kleinen Besichtigungsrunde eingeladen. Er erklärt uns den Produktionsprozess, der Überraschungen bereit hält. Einige Biersorten werden nämlich in gebrauchten Eichenfässern gelagert und nehmen dadurch das Aroma an. So gibt es hier Bier, dass nach Rot- oder Weißwein, Whisky oder Portwein schmeckt. Im Tasting-Room kredenzt Tom uns die Whisky-Version und gleich beim 1. Schluck merken wir, dass dies nicht unser Favorit ist. Es schmeckt tatsächlich mehr nach Whisky als nach Bier und hat zudem 16% Alkohol – sehr viel für Bier! Da bleiben wir lieber bei den normalen Sorten, die es auch alkoholfrei gibt. Für mich nehmen wir ein Ginger-Bier mit (Ingwer), das ich abends verkoste und das mir hervorragend schmeckt.

Direkt neben der Nøgne-Brauerei befindet sich eine 270 Meter lange betonierte Fischtreppe, die ca. 2.000 Wildlachsen im Sommer die Möglichkeit bietet, in ihre Laichgebiete zurückzukehren. Wir könnten jetzt hier auf dem Firmenparkplatz übernachten, vermuten aber, dass es morgens etwas lauter zugeht und fahren deshalb noch Richtung Lillesand (siehe oben).

Firmengebäude
Tasting-Room
Verkostung der Whisky-Edition
Unsere „Ausbeute“

Leuchtturm Lindesnes am Südkapp

Das Wetter sieht die nächsten Tage noch so gut aus, dass wir beschließen an Kristiansand vorbei zum Südkapp zu fahren. Bei unserer Ankunft vor 5 Wochen gab es ja sogar noch Schnee und wir sind schnell Richtung Westen abgebogen. Jetzt nutzen wir die Gelegenheit, nochmal beim ältesten Leuchtturm Norwegens vorbeizuschauen, den wir vor 4 Jahren schon besucht hatten. Mal sehen, was sich verändert hat.

Als erstes sticht auf dem großen Parkplatz ein Schild ins Auge, dass nachts von 23 bis 6 Uhr einen Abstand von 4 Metern zwischen den Wohnmobilen vorsieht. Geändert hat sich auch der Preis für die Übernachtung. Jetzt in der Nebensaison sind 400 NoK fällig, in der Hochsaison sogar 450 NOK, und das quasi nur für einen einfachen Parkplatz. Während der Öffnungszeiten des Leuchtturms und der Ausstellungen kommt dann auch noch der Eintritt fürs Gelände dazu. Legt man darauf keinen Wert, kann man so wie wir jetzt abends oder frühmorgens kostenlos auf dem Areal herumlaufen. Heute weht allerdings ein eisiger Wind und uns hält es nicht lange beim Leuchtturm.

Nicht nur die Temperaturen veranlassen uns dazu, woanders einen Schlafplatz zu suchen. Wir müssen auch noch unbedingt ver- und entsorgen und ein paar Kilometer vor dem Leuchtturm gibt es eine V/E-Station. Die sieht ganz anders aus als die üblichen Edelstahlsäulen. In einem kleinen roten Häuschen gibt es einen Spülknopf für die Grauwasserrinne und einen Frischwasseranschluss, an dem man seinen eigenen Schlauch anschließen kann (Gardena-Adapter nötig). Dann muss man auf einen grünen Knopf drücken und schon fließen ca. 15 Liter in den Tank. Saubere Sache, nur sehr ungewohnt und alles etwas eng. Verhindert aber auch, dass Unbelehrbare ihre Kassette direkt unter dem Hahn ausspülen, denn dann würden sie selbst kräftig nass werden.

nahezu leerer Parkplatz in der Nebensaison
Mindestabstand 4 Meter
Ältester Leuchtturm Norwegens

Unser Plan für die nächsten Tage

Nun würde es theoretisch für uns nach Kristiansand gehen auf die Fähre nach Dänemark. Das Wetter sieht aber in den nächsten Tagen noch so verlockend aus, dass wir unseren Abschied von Norwegen schon wieder verschieben. Was spricht dagegen, die Jæren-Touristikroute noch einmal zu fahren, nachdem wir vor 5 Wochen Pech mit dem Wetter hatten? Richtig – gar nichts! Und so nehmen wir die 150 km entlang der Südspitze erneut unter die Räder und können bei der Gelegenheit Punkte anfahren, die wir beim letzten Mal ausgelassen haben.  All das erfahrt ihr aber erst im nächsten Blog. Bis dann!