Nach gut 2 Wochen stehen wir kurz vor dem Ende der E39 in Trondheim. Eigentlich sind es nur noch 200 km, aber wir schieben mal wieder einen unserer mittlerweile üblichen Abstecher vom Küstenhighway ein. Es gibt da nämlich eine Insel nördlich von Kristiansund, die auf Fotos so verlockend aussieht, dass wir diese paar Extrakilometer gerne noch mitnehmen. Dort ist der Weg das Ziel – eine traumhafte Strecke führt über unzählige Brücken quer durchs Meer und die Kameras laufen heiß. Trondheim lassen wir diesmal links liegen, denn dort waren wir bereits zweimal. „Kulinarisch“ wird es im Pickup-Cafe Vuddu Valley an der E6, bevor wir uns auf den langen Weg zurück in den Süden begeben. Weil das Wetter südlich vom Dovrefjell überraschend gut ist, durchfahren wir erneut das Sognefjell auf 1.400 Meter Höhe – diesmal mitten durch Schnee und nicht wie 2024 durch eine farbenfrohe Herbstlandschaft.

Insel Smøla
Per Zufall bin ich im Internet über ein Foto des Fischerdorfs Veiholmen gestoßen, das über Brücken von der Insel Smøla aus zu erreichen ist. Hunderte kleiner Inseln liegen vor dem kleinen Fischerort und bieten ein fantastisches Fotomotiv. Von Kristiansund müssen wir 2 Fähren nehmen, um auf die Insel zu kommen und heute bei dem herrlichen Wetter lohnt sich dieser erneute Inselausflug bestimmt.
Nach Durchfahren des Atlanterhavstunnelen vor Kristiansund, der seit 2020 hautfrei ist, geht es also auf die 1. Fähre zur Insel Tustna und von da aus auf eine weitere zur Insel Smøla. Wir kreuzen dabei die Hauptroute der Kreuzfahrtschiffe auf ihrem Weg von Trondheim nach Kristiansund und wie es der Zufall will kommt gerade ein Hurtigrutenschiff vorbei. Die erste Fähre kostet uns mit unserem 50%-Rabatt für die einfache Strecke 52 NOK, die zweite ist mal wieder gratis.
Kaum angekommen beginnt eine sagenhafte Fahrt über Dämme und Brücken. Man fühlt sich wirklich, als ob man durchs Meer fährt – sogar noch etwas mehr als auf der Atlantikstraße, denn man ist „näher dran“ am Wasser. Die Drohne liefert wie immer atemberaubende Bilder und wir sind sage und schreibe 2 Stunden damit beschäftigt, aus allen möglichen Perspektiven unsere fahrt zu dokumentieren. Das rächt sich, denn als wir an unserem Ziel, Veiholmen, ankommen, hüllt eine aufziehende Nebelwand den Ort in dichtes Grau. Wären wir nur eine habe Stunde eher hier gewesen, hätten wir aus der Luft diese wunderschöne kleine Inselwelt filmen können – daran ist nun nicht mehr zu denken und es sieht nicht so aus, als ob sich das in absehbarer Zeit bessern würde.


Also schnell wieder auf die nebelfreie Südseite der Insel zu einem tollen Parkplatz mit der besten Aussicht der Welt fürs anstehende Abendessen. Vorher tanken wir noch und Norwegen überrascht uns mal wieder. Am Zahlautomaten kann man Deutsch als Sprache auswählen (sonst immer nur Norwegisch und Englisch) und sofort ertönt die deutsche Nationalhymne. Wie genial ist das denn? Natürlich probieren wir auch Englisch aus und schon können wir „God save our graciest King“ mitsingen 😂. Adriano hat einen Verbesserungsvorschlag und wünscht sich auch noch die Schweizer Hymne – an wen müssen wir uns wenden, um diesen Wunsch vorzutragen 😉?


Besuch im Pickup-Cafe Vuddu Valley
Am nächsten Morgen ist es überall trüb – schlechtes Wetter zieht auf. Wir überlegen, wie wir nach Erreichen des Endpunkts der E39 bei Trondheim weitermachen und entscheiden uns wegen der Vorhersagen für die Südostküste Schwedens. Auf dem Weg Richtung Ostersund (Schweden) liegt das Pickup-Cafe Vuddu Valley. Ein Norweger lebt hier seine Leidenschaft für die USA aus und hat im Laufe der Jahrzehnte unzählige Dinge zusammen getragen, die typisch fürs letzte Jahrhundert in den Staaten sind. Nicht nur draußen stehen einige in die Jahre gekommene Fahrzeuge, auch drinnen gibt es Oldtimer zu bestaunen. Uns zieht es jetzt aber in das Fastfoodrestaurant im Stil eines American Diner, denn wir haben Hunger und Lust auf Burger & Co. Für Adriano gibt es einen XXL-Burger – für mich einen sehr viel kleineren Club Sandwich. Danach drehen wir noch eine Runde durch den Souvenirshop und durchs Museum, in dem es von nostalgischen Gegenständen aus den USA und Norwegen nur so wimmelt.


Übernachtung in Hommelvik / Großraum Trondheim
2 Nächte haben wir in Hommelvik auf einem uns bestens bekannten Parkplatz direkt am Meer geschlafen und über unsere Entscheidung nachgedacht, nach Schweden zu wechseln. Wir bringen es aber einfach nicht übers Herz, Norwegen nach nur zweieinhalb Wochen schon zu verlassen und ändern mal wieder unseren Plan. Südlich von Oslo und im Telemark sieht es auch gar nicht so schlecht mit dem Wetter aus und so wird unser Schweden-Trip kurzerhand gecancelt. Möglichst schnell möchten wir nun über die E6 Richtung Oslo starten.
Adresse Parkplatz Hommelvik: 5 Nygårds alle, 7550 Hommelvik (max. 12 Stunden)
Durchs Dovrefjell
Die E6 führt mitten durchs Dovrefjell – einer Wetterscheide in Norwegen. Nach nur 2 Stunden Fahrt erreichen wir einen uns bekannten Rastplatz auf der Hochebene bei schönstem Sonnenschein und viel Wind. Beim Kaffee im Camper merken wir nicht viel vom Sturm und so können wir die Aussicht auf die herrliche Landschaft genießen. An diesem Tag möchten wir noch einige Kilometer schaffen und so machen wir uns bald auf den Weg nach Sel. Hier gibt es es bei der Kirche offiziell die Möglichkeit, mit dem Womo zu übernachten und das nutzen wir gerne. Es ist kostenlos, aber die Kirchengemeinde freut sich sehr über eine Spende, die wir gerne dalassen. Wieder zeigt sich, wie gut es ist, Euro-Scheine in kleiner Stückelung dabei zu haben.


Sognefjell
Tag 2 unseres Höllenritts in den Süden und es kommt zur nächsten Planänderung 🙃. Fürs Sognefjell ist Sonne gemeldet und so bietet sich die Gelegenheit, diese Hochebene mit Schnee zu erleben, sozusagen als Kontrast zu unserer Herbsttour 2024, bei der wir diese Touristikroute bei Traumwetter erleben durften. Google Maps behauptet zwar, dass auf der Passstraße noch Wintersperre herrscht, aber die norwegische Vegvesen Traffic App meldet ‚offen‘, was auch stimmt. 2 Stunden später befinden wir uns auf 1.400 Metern Höhe im totalen Winter mit meterhohen Schneebergen am Straßenrand. Leider hängt hier oben hartnäckig Gewölk in den Berggipfeln und Sturmböen mit bis zu 60 kmh jagen über das Gelände. Aussteigen ist nur kurz möglich, aber Adriano schafft es trotzdem, die Drohne raufzuschicken und mal wieder eindrückliche Bilder des Sognefjell zu liefern. Gut, dass wir den Abstecher eingebaut haben, denn nun wissen wir, dass uns der Herbst eindeutig besser gefällt als das Frühjahr.


Ab 17 Uhr sind Schneefälle angesagt und wir müssen uns beeilen, zum Sognfjord auf der anderen Seite hinunter zu kommen. Dort empfangen uns Narzissenwiesen und angenehme Temperaturen – was für ein Unterschied! Damit wir unser eigentliches Ziel, das Telemark, nicht komplett aus den Augen verlieren, nehmen wir jetzt noch schnell die Fähre über den Sognfjord Richtung Lærdal. Dort haben wir noch eine Rechnung aus 2022 offen und wählen dafür einen Wanderparkplatz am reißenden Fluss Lærdalselvi. Dieser bietet uns für den nächsten Tag eine perfekte Ausgangsposition für unsere geplanten Stopps.


