Nach 3 Tagen an der Küste zieht es uns schon wieder ins Hinterland, genauer gesagt in die Telemark-Region. Auch hier ist Sonnenschein angesagt und bis auf das Hardangervidda kennen wir die Gegend noch gar nicht. Also heißt es mal wieder Richtungsänderung und ab in den Westen.

Telemarkskanal
Unser 1. Ziel ist der Telemarkskanal, der sich über eine Länge von 105 Kilometern zwischen den Orten Skien und Dalen erstreckt Die historische Wasserstraße wurde 1892 fertiggestellt und überwindet mithilfe von 18 Schleusenkammern einen Höhenunterschied von insgesamt 72 Metern. Das spektakulärste Teilstück des Kanals ist die Vrangfossschleuse, die als größte Schleusenanlage der Strecke gilt und die wir heute besuchen. Diese beeindruckende Schleusentreppe bewältigt mit ihren fünf Kammern allein einen Höhenunterschied von 23 Metern und die 11 Tonnen schweren Schleusentore werden wie vor über 130 Jahren vollständig von Hand betrieben.
Man kann mit historischen Schiffen von Skien bis Dalen fahren – die Fahrt von Ende zu Ende dauert 10 bis 11 Stunden, kann aber auch nur in Teilstücken zurückgelegt werden. Leider verkehren die Boote nur von Mitte Mai bis September und wir können die Schleuse nicht in Betrieb sehen.


Stabkirche Heddal
Die Stabkirche Heddal in der Gemeinde Notodden ist mit einer Höhe von 26 Metern und einer Länge von 20 Metern die größte der 28 noch erhaltenen Stabkirchen in Norwegen. Das beeindruckende Bauwerk aus Kiefernholz entstand zu Beginn des 13. Jahrhunderts und wird wegen seiner dreischiffigen Konstruktion und den drei markanten Türmen auch als „gotische Kathedrale aus Holz“ bezeichnet. Das Holz der Außenfassade ist wie bei allen Stabkirchen üblich mit Teer geschützt. Bis heute finden hier die regelmäßigen Gottesdienste statt. Auf dem Infoschild steht, dass die Kirche vom 3. Mai bis 20. September zwischen 10 und 17 Uhr besichtigt werden kann. Es zeigt sich mal wieder, dass der April für manche Sehenswürdigkeiten in Norwegen einfach der „falsche“ Monat ist.


Omnesfossen
Auf dem Weg zu unserem nächsten Tagesziel liegen direkt an der E134 der Omnesfossen, ein Wasserfall des Flusses Heddøla, und die dazugehörige historische Landsverk-Brücke . Wasserfälle hatten wir auf dieser Tour noch gar keine – also halten wir hier kurz an, bevor es zur Stabkirche Heddal geht.


Das Haukelifjell
Das Haukelifjell ist ein wunderschönes Hochgebirgsplateau, durch das die ganzjährig befahrbare E134 führt, die als eine der wichtigsten und verkehrsreichsten Ost-West-Verbindungen des Landes gilt. Die Passstraße erreicht ihren höchsten Punkt auf rund 1.082 Metern über dem Meeresspiegel. Wir landen mal wieder mitten im Schnee, das aber bei herrlichstem Sonnenschein und grandioser Aussicht. Der Gamle Haukelivegen (alter Haukeliweg) ist leider noch komplett schneebedeckt und nicht befahrbar – da müssen wir also unbedingt im Herbst nochmal wiederkommen. An der Grenze zur Provinz Vestfold machen wir kehrt, denn sonst würden wir wieder viel zu weit im Westen landen. Zum Schlafen ist es sowieso besser, wenn wir die Höhe verlassen, denn nachts fallen die Temperaturen immer noch unter den Gefrierpunkt.
Direkt an der E134 finden wir einen wunderschönen Parkplatz direkt am rauschenden Fluss. So hören wir den Autoverkehr auf der Straße sicher kaum.


Baumwipfelpfad im Hamaren Aktivitätspark
Wir fahren jetzt die E134 wieder Richtung Osten zurück, biegen aber kurz vor Vinje in den Süden ab. Dort gibt es am See Fyresvatn den Hamaren Aktivitätspark mit einem Baumwipfelpfad, auf norwegisch Tretoppvegen. Und den wollen wir heute bei dem herrlichen Wetter laufen.
Der Baumwipfelpfad in der Gemeinde Fyresdal ist der erste seiner Art in Norwegen und schlängelt sich über eine Länge von einem Kilometer durch den Kiefernwald. Die kostenlos begehbare Holzkonstruktion ist barrierefrei und vom Seeufer des Fyresvatn bis zum Ende auf dem Gipfel des Hügels Klokkarhamaren braucht man ungefähr 20 Minuten. Leider hat man den größten Teil der Strecke keine Aussicht auf den See, weil die Bäume zu groß sind und den Blick versperren – erst am Ende beim Klokkarringen ist dies möglich. Zwischendrin kann man den Weg übrigens nicht verlassen, weil das hohe Geländer durchgängig ist. Wir haben zwar einen „Notausgang“ entdeckt, der führt allerdings über einen Felsen und erfordert etwas Kraxelei.
Fazit: Kann man gesehen haben, muss man aber nicht!


Traumhafter Schlafplatz am See Fyresvatn
Nach dem Tretoppvegen fahren wir über die Fv355 Richtung Süden. Die recht schmale Straße schraubt sich nochmal auf über 500 Meter rauf und bietet herrliche Ausblicke. Unten am See finden wir über Park4Night einen spektakulären Schlafplatz, auf dem wir 2 Tage eine Fahrpause einlegen werden und einfach mal nur rumbummeln wollen. Das Wetter ist genial und wir verlieben uns an dieser Stelle unsterblich in die Provinz Telemark.



Oldtimertreffen bei Gjerstad
Nach 2 Tagen verabschieden wir uns von diesem wundervollen Ort, denn das Wetter wird hier im Hinterland nass – an der Ostküste soll es zumindest trocken bleiben. Alles in allem sind wir immer noch froh, dass wir vor 1 Woche die Mitte Norwegens verlassen haben, denn dort jagt ein Regengebiet das nächste. Auf unserem Weg zurück zum Skagerrak gibt es aber noch einen unverhofften Stopp.
Kurz vor Gjerstad kommen wir an einem Oldtimertreffen vorbei, an dem wir natürlich unbedingt für eine halbe Stunde anhalten müssen. Liebhaber alter Autos scheinen sich hier auf privater Basis regelmäßig zu treffen und stellen ihre Schmuckstücke aus. Die meisten sind top gepflegt und wecken Erinnerungen an die Kindheit – immer wieder faszinierend, wie viel Liebe in die Fahrzeuge gesteckt wird.


Zwei drei Tage wollen wir jetzt noch an der Küste Richtung Kristiansand entlang fahren, bevor es mit der Fähre zurück nach Dänemark geht. So zumindest der Plan, aber ob es tatsächlich dabei bleibt? Ihr erfahrt es, wenn ihr auch in der nächsten Folge wieder dabei seid. Bis dann!
