Roadtrip Piemont | Unsere Highlights

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kategorie:Italien / Reisen

Im September sind wir 14 Tage kreuz und quer durch das Piemont gefahren. Wer keine Zeit oder Lust hat, unsere 4 Videos mit über 2 Stunden Spiellänge anzuschauen, für den gibt es nun eine Zusammenfassung unserer persönlichen Höhepunkte in einem 10 Minuten-Video und hier als Blog.

1. Weinregion

An erster Stelle steht – wie kann es anders sein – das südliche Hügelland mit seinen unzähligen Weinbergen und Haselnussplantagen. Allein fürs Auge bietet dieser Landstrich schon so viel und dazu kommt dann noch der unheimlich gute Wein. Hier sollte man sich mindestens 4-5 Tage Zeit nehmen und durch einige der vielen Weindörfer bummeln, in denen man anhand der Geschäfte und Bars schon sieht, worum es geht. Uns haben besonders gut Monforte d’Alba und Neive gefallen, die überschaubar sind und eine gemütliche Atmosphäre ausstrahlen. 

Unvergesslich wird für uns eine Weinprobe im Weingut Tenuta San Mauro bleiben. Der Winzer Mauro war so gastfreundlich und großzügig – 2 Stunden hat er sich für uns Zeit genommen und uns vor der Verkostung auch noch seine Weinkeller gezeigt. Ein ganz besonderes Erlebnis in italienischer Sprache, aber unter Umständen schöner als ein Besuch auf den großen Weingütern, die dafür 20 bis 30 € verlangen. Hier werden dann 4-5 Weine kredenzt und der Preis für die Weinprobe wird verrechnet, wenn man genügend Wein kauft.

Städte in den Weinbergen
Kunst in den Weinbergen
Weinprobe

2. Sehenswerte Städte im südlichen Piemont

Neben den kleineren Weinorten gibt es natürlich auch größere Städte im südlichen Piemont, von denen wir 4 in besonders guter Erinnerung behalten werden. 

Alba und Asti

Die inmitten der Weinregion gelegenen Orte Alba und Asti bestechen durch ihre mittelalterlich geprägten Altstädte mit Stadttürmen und Palästen. Zahlreiche Restaurants  lassen keine Wünsche offen und es gibt im Jahresverlauf einige Feste, die viele Besucher anlocken. Das größte ist sicherlich der Palio d‘Asti Anfang September, ein Pferderennen inmitten der Altstadt mit 750-jähriger Tradition. Wer Trubel sucht, für den ist das sicher ein lohnendes Ziel – wir waren froh, dass wir eine Woche zu spät da waren. 

Alba
Asti

Casale Monferrato

Etwas weniger touristisch geht es in Casale Monferrato zu, nur 40 km von Asti entfernt. Auch hier schlendert man an alten Stadthäusern vorbei zum außergewöhnlichen Duomo di  Sant‘Evasio. Allein die rot-weiße Fassade ist schon sehenswert, aber richtig ins Staunen kommt man erst im Inneren der Kirche. Das blaue Deckengewölbe mit goldenen Sternen ist einzigartig – ich habe so etwas noch nie in einer Kirche gesehen.  Man sollte schauen, dass man in jedem Fall die Zeit erwischt, in der die großen Strahler eingeschaltet sind – während und kurz nach einer Messe ist das in jedem Fall so. 

Duomo di Sant’Evasio

Cuneo

Eine Überraschung war für uns die große Stadt Cuneo im äußersten Süden des Piemont. Den Namen hatten wir vorher noch nie gehört, aber ein Besuch lohnt in jedem Fall. Ähnlich wie in Turin gibt es in der Altstadt entlang der Patrizierhäuser endlose Arkadengänge, die bei Regen oder Hitze Schutz bieten. Für uns war das eine tolle Alternative, denn das Großstadtleben Turins haben wir mit Rücksicht auf Sunny ausgelassen. Und wer mal die hervorragende italienische Küche genießen möchte, hat die Qual der Wahl unter unzähligen Restaurants.

3. Cottische Alpen

Auch wenn man beim Piemont hauptsächlich an Weinberge denkt, so gibt es doch noch vollkommen andere Landschaften. Wir haben einen Abstecher in die Cottischen Alpen gemacht, die an der Grenze zu Frankreich liegen in unmittelbarer Nähe zur französischen Route des Grandes Alpes. Wer also mal auf den höchsten Alpenpass, den Col de l’Iseran fahren möchte, kann auch das gut als Tagesausflug einbauen. Wir waren ja gerade erst auf der Route des Grandes Alpes unterwegs und daher sind wir auf der italienischen Seite der Alpen geblieben.

Hier werden uns 2 Dinge besonders in Erinnerung bleiben – zum einen die größte Festungsanlage Europas in Fenestrelle und zum anderen das Bergdorf Usseaux. Es zählt zu den schönsten Bergdörfern Italiens und hat diesen Titel wahrlich verdient. Es macht einen Riesenspaß, durch die engen Gassen mit den gepflegten alten Steinhäuser zu schlendern. An vielen dieser Häuser findet man Murales – das sind Wandmalereien – aber auch Briefkästen und Metalltüren der Gas- und Stromzähler sind kunstvoll verziert.  Von Usseaux aus ist es gerade mal 1 Stunde ins Susatal, in dem man die Stadt Susa mit über 2000 Jahre alten römischen Überresten anschauen kann oder das hoch über dem Tal thronende Kloster San Michele. 

Größte Festungsanlage Europas in Fenestrelle

4. Reisfelder rund um Vercelli

Wenig bekannt ist, dass sich im Piemont Europas größte Anbaufläche für Reis befindet. Statt Autobahn kann man eine Fahrt durch die endlos scheinenden Reisfelder rund um die Stadt Vercelli einplanen. Das sollte man im Herbst machen so wie wir, denn dann leuchten die erntereifen Felder goldgelb und es plagen einen nicht mehr so viele Mücken wie im Frühjahr und Sommer, wenn die Flächen mit Wasser überschwemmt werden. Ein Besuch in einem der Landgüter mit Risotto-Einkauf vor Ort rundet das Ganze dann noch ab.

Mähdrescher bei der Reisernte

5. Die Seen im Norden

Der Lago Maggiore, dessen südwestlicher Teil zum Piemont gehört, ist vermutlich jedem ein Begriff und immer eine Reise wert. Weniger bekannt ist der westlicher gelegene Ortasee – sehr viel kleiner, aber nicht weniger schön. Ein Bummel durchs autofreie Orta San Guilio mit einem Besuch der Klosterinsel empfiehlt sich vor allem in der Nebensaison, wenn es etwas ruhiger zugeht. Die Landzunge, auf der der Ort liegt, kann in ca. 1 Stunde umrundet werden und bietet immer wieder schöne Ausblicke auf den See.

Ortasee mit Klosterinsel

Tipps

Stellplätze findet man immer irgendwie, meist sogar kostenlos, aber oft nur für wenig Fahrzeuge. Die Ausstattung lässt manchmal zu wünschen übrig und erinnert an vergangene Zeiten. Waschsalons gibt es kaum – wir haben über P4N nur einen im äußersten Süden in der Stadt Cuneo ausfindig machen können – woanders müsste man tatsächlich auf einen Campingplatz.

Fürs Internet haben wir uns gleich zu Beginn eine italienische SIM-Karte gekauft – gibt es in Geschäften, in denen Handys verkauft werden und zu Preisen, von denen man in vielen Ländern nur träumen kann.

Was ist die beste Reisezeit? Den Hochsommer sollte man wegen der Temperaturen meiden. Selbst Mitte September kletterten die Temperaturen bei uns noch auf über 30 Grad und brachten uns ins Schwitzen. Wir fanden den Frühherbst besonders schön, wenn die dicken Trauben in den Weinbergen hängen und die Weinlese beginnt.

Zur Orientierung hatten wir wieder ein Tourset vom ADAC dabei – das reicht zusammen mit den Infos aus dem Internet absolut aus.

Fazit

Wir waren überrascht, wie vielfältig die Landschaften im Piemont sind. Berge und Wasser, dazu Kultur, gute Küche und guter Wein – quasi alles, was das Tourenherz begehrt und absolut eine Alternative zur viel besuchten Toscana.

Hoffentlich hat euch die geballte Ladung an Infos gefallen. Alle Details findet ihr in den 4 Folgen unserer Piemont-Staffel. Arrivederci!