Verborgene Schätze im Hinterland von Mecklenburg-Vorpommern

Leider passte das Drumherum an der Ostsee nicht zu unserem Reiserhythmus als Camper-Nomaden. Nächtliche oder grundsätzliche Parkverbote für Wohnmobile, fehlende Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten für Durchreisende, ein an vielen Stellen geltendes Hundeverbot und der große Ausflugsverkehr am wunderschönen Pfingstwochenende. Die deutsche Ostseeküste machte es uns schwer – spontan abends irgendwo übernachten und auf dem Weg die Wassertanks befüllen und leeren – das ging hier kaum. Deshalb beschließen wir, ins Hinterland abzubiegen in der Hoffnung, dass wir es da einfacher haben. 

Unser 1. Stellplatz in Schwichtenberg

Nach dem Verlassen von Usedom haben wir einfach nur eine einfache ruhige Übernachtungsmöglichkeit gesucht und diese im winzigen Dorf Schwichtenberg gefunden. Die Gemeinde stellt hier ein Wiesengrundstück zur Verfügung, auf dem man frei und im Schatten eines Baums stehen kann. Keinerlei sonstiger Service, aber kostenlos und für uns in dieser Nacht absolut ausreichend. Dennoch möchten wir am nächsten Morgen noch unser Grauwasser loswerden, bevor wir uns für 2 heiße Tage auf einem privaten Stellplatz häuslich niederlassen. Einzige Möglichkeit hierzu bietet eine Tankstelle kurz vor Neubrandenburg – zum Glück gibt es hier noch einen Bodenabfluss aus grauer Vorzeit, den man als Camper nutzen darf. Zum Dank kaufen wir im Tankstellenshop 2 Stieleis!

Adresse Stellplatz: 17099 Galenbeck, Ruth-Siedel-Straße 45

Grauwasserablass an Tankstelle vor Neubrandenburg

Unser 2. Stellplatz in Grischow

Auf P4N habe ich gesucht und gefunden, was bei der Hitze am Pfingstmontag genau richtig ist: Privatleute bieten Platz für 5 Wohnmobile in ihrem parkähnlichen Garten. Man muss nur kurz vorher anrufen, ob Platz ist und schon kann man anreisen. 10 Minuten später stehen wir vor dem Tor und Sieglinde Schmied empfängt uns herzlich.

Der Garten ist wirklich ein Traum. Wir können mit unserem Camper im Schatten großer Bäume stehen und „mit der Sonne wandern“, denn wir sind alleine hier und dürfen uns auf dem vorgesehen Weg frei bewegen. Strom gäbe es hier gegen Aufpreis auch, aber den brauchen wir nicht.

2 Nächte verbringen wir hier in herrlicher Ruhe. Sieglinde und ihr Mann sind selbst Camper und wissen, was man braucht. Sie bietet morgens Aufbackbrötchen an, die zur gewünschten Zeit an einem Stecken vor dem Womo in einem Beutel hängen. Tagsüber kommt sie sogar zu uns mt 2 großen Stücken Wassermelone als Entschädigung, dass sie morgens Rasen gemäht haben – wie nett ist das denn!!!

Nach 7 Wochen Tour mit täglich wechselnden Schlafplätzen genießen wir die Ruhe sehr, obwohl ich natürlich mal nicht wieder einfach nur chillen kann. Ich sitze 8 Stunden im Camper und stelle das 3. Norwegen-Video fertig, bin aber hinterher umso glücklicher, dass das geschafft ist.

Adresse Stellplatz: Fam. Schmied, 17089 Grischow, Dorfstraße 31A

Unser ständiges Problem mit der Ver- und Entsorgung

Wir verlassen Grischow, lassen Neubrandenburg rechts liegen und steuern die südliche Region der mecklenburgischen Seenplatte an, weil wir den Bereich rund um das Mecklenburger Großseenland mit dem Müritzsee schon kennen. Vorher haben wir an der bekannten Tankstelle nochmal Grauwasser abgelassen – Frischwasser fehlt uns aber. Hierzu fahren wir zu einem Stellplatz hinter Neustrelitz, der auf einem großen Schild darauf hinweist, dass es Durchreisenden nicht gestattet ist, Frischwasser zu tanken und Müll zu entsorgen. Geht das schon wieder los mit den Schwierigkeiten? Ich rufe die auf einem Aushang angegebene Telefon-Nr. an, frage freundlich nach und erhalte schließlich die Erlaubnis, für 3 € unseren Wassertank füllen zu dürfen. Für die Müllentsorgung fahren wir dann extra auf einen Autobahnrastplatz, um dort die großen Mülltonnen zu nutzen. In den Gemeinden sind (wenn überhaupt) nur winzige Abfallbehälter aufgestellt, in die wir nicht einen Müllbeutel werfen möchten. Mein Gott, wie umständlich 🙃🥴.

Drohnenfliegen in MeckPomm

Leider hat man wegen der Wälder nur selten freie Sicht auf die Seen und wir würden gerne die Drohne einsetzen, aber auch hier wimmelt es wie schon an der Ostsee von Naturschutzgebieten und Bundeswasserstraßen. An einer einzigen Stelle kann Adriano die Drohne unter Einhaltung aller Vorschriften mal senkrecht nach oben schicken und einen Blick auf die Seen werfen. 

Karte Drohnen-Flugverbotszonen Deutschland: https://maptool-dipul.dfs.de/?language=de&basemap=grayLabels&layers=guhefvDdbalHmwrcnztsGABxjiypEoCqk&zoom=10.5

Diemitzer Schleuse

Unser Ziel ist heute Mirow am gleichnamigen See. Dabei kommen wir an einer der meist befahrenen Schleusen der Müritz-Havel-Wasserstraße vorbei und erleben, wie sich unzählige Kanufahrer neben 2 größere Schiffe quetschen. Die Kanuten dürfen die Schleuse als erste verlassen, aber einige haben größte Schwierigkeiten, zielgerichtet die Ausfahrt zu erreichen. Das wäre nichts für mich!

Pomme de Meck

Zufällig entdecke ich auf Google Maps kurz hinter der Diemitzer Schleuse den Namen ‚Pomme de Meck‘. Dieses Wortspiel macht mich neugierig und ich finde heraus, dass es dort eine Cider-Manufaktur gibt, also nichts wie hin. Vielleicht können wir etwas Leckeres kaufen!

Beim Hofladen öffnet niemand, aber die Juniorchefin schickt uns ins nahe gelegene Restaurant Most & Kost, das von den Eheleuten Tobias und Heime Müller-Deku betrieben wird und die eben auch die Gründer der Cider-Manufaktur sind. Wir decken uns im Holzregal mit einigen Köstlichkeiten ein und erfahren vom Chef Tobias auch noch einiges zum Restaurant. Hier finden ab und zu Konzerte und Puppenspiele statt – alles in sehr schön gestalteter Atmosphäre sowohl drinnen als auch draußen.

Zum Schluss nimmt uns Tobias noch mit in die Produktionsräume und erklärt uns die Geheimnisse des Vor- und Nachlaufs bei der Destillation. Wir haben mal wieder was gelernt und freuen uns, dieses Kleinod abseits der Touristenwege entdeckt zu haben.

Website Pomme de Meck: https://www.cidermanufaktur.de

Diemitzer Kirche

Auf Empfehlung von Tobias Müller-Deku besuchen wir auch noch schnell die direkt nebenan liegende und unter Denkmalschutz stehende Kirche des Dorfs. Sie wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut und liegt am 2011 eröffneten Pilgerweg Mecklenburgische Seenplatte. Klein, aber fein kann man auch hier mal wieder sagen. Ein hölzerner Taufengel steht neben der Rokoko-Kanzel und die Decke ist verziert mit gemalten Posaunenengeln. Von Mai bis Oktober ist sie für Besucher geöffnet. Was wir so noch nie gesehen haben: Es gibt eine „Hörbar“, die Infos rund um die Architektur und Geschichte der Kirche liefert. Man startet die elektronischen Audio-Dateien auf einem LED-Panel und schon geht’s los.

Innenraum der Diemitzer Kirche
Die „Hörbar“ mit Infos und Kirchenmusik

Findlingsgarten Schwarz

Und noch ein Zufallsfund an diesem Tag. Nach wenigen Kilometern Richtung Mirow kommen wir an einer weiteren Kirche vorbei, neben der unzählige große Findlinge liegen, fein säuberlich aufgereiht und alle mit Infotafeln versehen. Alle Steine stammen aus der Umgebung und sind Zeugnisse der Eiszeit, denn sie wurden aus Skandinavien mit den Gletscherströmen hierher transportiert. Das Kopfsteinpflaster, das in der Region verlegt wurde und aus hiesigen Steinbrüchen stammt, hat daher unterschiedliche Farben genauso wie die aus dem Norden stammenden Steine – faszinierend. Ist wohl Grundschulwissen, aber das muss ich verdrängt haben.

Schlossinsel Mirow

Für uns geht es jetzt über eine dieser alten holprigen Kopfsteinstraßen endlich zu unserem eigentlichen Tagesziel, der Stadt Mirow am gleichnamigen See. Dort gibt es auf dem Parkplatz an der Schlossstraße gekennzeichnete Womo-Stellplätze – PERFEKT und nachts kostenlos. Nur fürs Frühstück müssen wir dann eine kleine Gebühr entrichten.

Wir bummeln zum Schloss und entdecken das Restaurant ‚Alte Schlossbrauerei‘. Seit Wochen koche ich täglich und wir beschließen, uns heute verwöhnen zu lassen. 2 x Cordon Bleu mit einer feinen Weißweinschorle und einem kühlen Bier stehen eine halbe Stunde später auf unserem Tisch- LECKER!!!

Funfact am Rande: Hier wird Hieronymus- und Geroldsecker Bier ausgeschenkt, das wir aus unserer Heimat kennen. Wie kann das sein? Der Kellner erklärt uns, dass der ehemalige hiesige Braumeister in den Südwesten gezogen ist, dort die Tochter der Stöckle-Brauerei in unserem Nachbardorf Schmieheim geheiratet hat und natürlich nach wie vor Kontakte nach Mirow gepflegt hat. Mittlerweile hat sein Sohn übernommen und den sollen wir bitte herzlich grüßen. Wie klein die Welt doch ist!

Ende unserer 8-wöchigen Tour

Letzter Tourtag! Wir machen uns auf den Weg ins nördliche NRW, wo eine Familienfeier auf uns wartet. Auf dem Weg gibt’s natürlich eine Kaffeepause, und zwar in der hübschen Kleinstadt Tangermünde (der Fluss Tanger mündet hier in die Elbe). Wir haben nur Zeit für einen kurzen Blick hinter die Stadtmauer, aber alles macht einen sehr schönen und gemütlichen Eindruck. Im Netz lese ich, dass die Stadt 2019 vom Portal Travelbook zur schönsten Kleinstadt Deutschlands gewählt wurde – Platz 2 und 3 gingen an Rothenburg ob der Tauber und Dinkelsbühl, also nicht ganz unbekannte Konkurrenten.

Herzlichen Dank an alle, die uns mal wieder über die komplette Tour begleitet und die Blogs hier oder die Videos auf YouTube geschaut haben. Wer in allen Ländern dabei war, hat uns über insgesamt 8.682 Kilometer in 13 Videos begleitet – alle Achtung. Wir sehen uns im Herbst wieder!!!